vita brevis
* 28. August in 1957 in Linz. Mag. Phil in amerikanischer, deutscher und englischer Literatur und ein Abschluss in Pädagogik 1987 [Uni Wien]. Fremdsprachen: Englisch, Neugriechisch. Dazu Schulfranzösisch, etwas UNIX, ein wenig TCP/IP. Mitgründer der quintessenz [Verein zur Wiederherstellung der Bürgerrechte im Informationszeitalter 1996] und der Internationalen Big Brother Awards [1999]. Mitglied im International Board of Advisors von Privacy International.
1970 - kurze Wellen
Der erste Kontakt mit der elektronischen Kommunikation war in den frühen 70er Jahren über die kurzen Wellen. Damals im Äther: Kalter Krieg von Pjöngjang bis Polen, Weltmusik und jede Menge Funkdienste, die dezidiert nicht für die Öffentlichkeit sendeten. Wir haben trotzdem zugehört und per Schneckenpost Empfangsberichte an die Stationen geschickt: An nationale Post- und Telegrafenämter, Flughäfen, Küstenwache und Militärs von Grönland bis Neuseeland.
80er Jahre, Satiren und Scanner
Neben dem Studium der Literatur war Praxis angesagt: Satiren, Reportagen und Porträts englischspracher Schriftsteller wie Anthony Burgess, vor allem für die Wiener Stadtzeitschrift Falter, Radio OE1, und andere Medien. Produziert wurde auf einem Monster von Typenradschreibmaschine mit einzeiligem Display, die Übertragung besorgte ein ebenso monströses Gruppe-1-Fax mit Rotorwalze. Von 1985 bis 1989 hatte ich eine TV-Kolumne namens "Teletext" im Falter, Mag. Phil. 1987. 1988 erschien "Schlachtpläne" [ÖBV Klett-Cotta], ein satirischer Roman über den Untergang einer Familie im Nachkriegsoberösterreich. Statt des Kurzwellenradios sorgte nun ein Radioscanner für Unterhaltung.
90er Jahre I: Postmodernes TV
Das Typenradmonster wurde zum Drucker eines 386er-PCs degradiert, das Fax von einem Akustikkoppler abgelöst. Über den gingen meine TV-Kolumnen ab 1990 jeden Mittag an den Standard, Übertragungsrate bis zu 300 Baud. Fernsehen wurde zu dieser Zeit ein letztes Mal interessant, denn da fielen deutsches Privat-TV und CNN in die damailige Fadesse der öffentlich-rechtlichen Sphäre ein. 1992 kam der Roman "Raubzüge" [Deuticke] auf den Markt, eine Gelehrtenburleske, die gleichermaßen in der Zukunft und im Griechenland des fünften Jahrhunderts v.Chr. spielt. 1993 folgten die ORF-Satire "Verschollen in der Anstalt" zusammen mit Tex Rubinowitz [Deuticke], Kurt Palm Kurt Palm, führte den Einakter "Flatus Interruptus" auf.
90er Jahre II: Paradigmenwechsel
Statt einer TV-Kolumne schrieb ich im Standard ab Frühjahr 1995 eine über das Internet, die gleichtzeitig in Print und im Netz erschien, zumal "Der Standard" die erste deutschsprachige Tageszeitung mit Internetausgabe war. 1996 wartete dann eine Aufgabe ganz anderer Art beim Wirtschaftsblatt. Es galt, eine hundertköpfige Redaktion [Mac] und ein Dutzend Korrespondenten [Windows] im Gebrauch von E-Mail "einzuschulen", Verteiler einzurichten usw. Nachts produzierte ich Artikel für die quintessenz und für Telepolis meistens zu Themen wie Kryptografie, Überwachung und Datenschutz. Denn klar war da längst: Diese schönen neuen digitalen Netze waren für einen Quantensprung in der Überwachung nachgerade prädestiniert. In Folge saß ich zwischen London [LSE], Berlin [CCC] und Washington [CFP99] auf allerhand Panels zum Thema "Digitale Bürgerrechte".
Um 2000
Für mich begann die Zeitenwende schon 1998. Da fielen mir die internen Papiere [ENFOPOL] der EU-Ratsarbeitsgruppe für polizeiliche Zusammenarbeit in die Hände.Die Publikation der EU-weiten Überwachungspläne von Telefonienetzen sorgte für einen beträchtlichen Wirbel. Ausgehend von der Redaktion Telepolis bildete sich ein Netz aus Journalisten aus mehrere Ländern, um die Puzzlestücke dieser EU-weiten Überwachungsvorhaben zusammenzutragen. Mitten hinein kam der Auftrag, ein IT-Nachrichtenportal für ORF.at aufzubauen. Im April 1999 startete die futurezone für die ich seitdem tätig bin.
Im September 1999 wurde Tausend Sonnen, eine Regionalposse mit Gesang von Harald Posch aufgeführt, Musik: Sergei Dreznin. Im Oktober veranstalteten quintessenz, VIBE! die ersten Big Brother Awards Austria. Im Dezember 1999 fand der erste einer Serie von jährlichen Vorträgen beim Chaos Communication Congress in Berlin statt. 2000 gab es - zusammen mit der Redaktion Telepolis - für die ENFOPOL-Berichterstattung einen Preis in investigativem Journalismus. Ich war da bereits hinter der Umsetzung der ENFOPOL-Pläne her, den Überwachungsstandards in gewissen Arbeitsgruppen des European Telecom Standards Institute. 2001/2002 erschienen die ETSI-Dossiers als Vierteiler in der c't [Print], in Telepolis und in der futurezone.
